31. März 2026

Kunststoff unterstützt das Wachstum

Was wäre, wenn wir ohne Kunststoffe das Land beackern und bewirtschaften müssten? Teil 8 unserer Serie „Eine Welt ohne Kunststoff“ schaut auf die Landwirtschaft.

Reife und unreife Tomaten an Rebstöcken in einem sonnenbeschienenen Gewächshaus.

Zurück in die Landwirtschaft ohne Kunststoff

Von wegen Landlust. Der Blick aufs Feld macht müde und bereitet Sorgen. Gleich geht es wieder raus. Mit mechanischen Maschinen aus dem vorigen Jahrhundert und körperlicher Kraft wird der Boden bestellt. Über ausgeschaufelte Kanäle und Metallrohre läuft das Wasser zu den Pflanzen. Schädlinge und Unkraut müssen mühsam per Handarbeit und Hausmittel entfernt werden. Gegen diese Sisyphos-Arbeit ist kein Kraut gewachsen.

Sind Getreide, Gemüse und Früchte endlich geerntet, werden sie in Holzkisten und Jutesäcken verpackt und eingelagert. Das gemähte Stroh muss so schnell wie möglich in den Heuschober. Leider geht dabei einiges zugrunde. Manche Lebensmittel werden durch grobmotorische Geräte beschädigt, andere verderben in den schimmelanfälligen Behältnissen. Das ist schlecht für Mensch und Umwelt. Verluste fordern Energie und treiben die CO2-Bilanz in die Höhe. Spielt das Wetter verrückt, drohen Ausfälle und Hungersnöte.

Bessere Versorgung der Weltbevölkerung

Mitte der 1960er-Jahre setzte die „Grüne Revolution“ ein und veränderte weltweit den Anbau und die Ernte von Lebensmitteln. Ertragsreichere Sorten, Pflanzenschutzmittel, gezielte Bewässerung und maschinelle Unterstützung steigerten die Produktivität und sorgten für mehr Sicherheit. Mit den neuen Methoden sanken die Mangelernährungs- und Kindersterblichkeitsraten, der Lebensstandard stieg und die Bevölkerungszahlen wuchsen.

Die Wissenschaft spielte bei der Entstehung der modernen Landwirtschaft eine zentrale Rolle. Kunststoffe ebneten ihr als vielseitiges und günstiges Allzweckmaterial den Weg. Folientunnel, Mulchfolien, Bewässerungsschläuche und -rohre, Wassertanks, Netze, Vliese und Silage sind heute allgegenwärtig. Sie sichern Erträge, schützen vor Frost, Hitze und Schädlingen. So machen günstige Kunststofflösungen die Landwirtschaft besser planbar. Gleichzeitig verringern sie den Wasser-, Düngemittel- und Pestizidverbrauch.

Vielfalt und Leichtigkeit

Gewächshäuser und Bewässerungssysteme verlängern den Vegetationszeitraum vieler Pflanzen und ermöglichen auch in trockenen und kalten Weltgegenden den Anbau. Dank technologischer Hilfe kann der Wasser- und Düngemitteleinsatz gesteuert werden. Neben Schläuchen und Rohren braucht es dazu Elektronik – und die baut auf Kunststoffen auf. Das trifft auch auf moderne, oft GPS-gesteuerte Landmaschinen zu. Sie sparen Arbeitskraft und steigern die Effizienz. Mehr und mehr landwirtschaftliche Prozesse werden automatisiert und digitalisiert. Smart Farming soll in Zukunft Aussaat, Pflege, Ernte und Logistik datenbasiert optimieren.

Bei der Sortierung unterstützen erntegutschonende Gummiförderbänder. Leichte, stabile und stapelbare Mehrweg-Verpackungen wie Kisten, Kübel und Kanister vereinfachen den Transport. Kunststoffe lassen sich zudem gut reinigen. Das verbessert die Hygiene und schützt vor Keimen, Bakterien und Schimmel. So bleiben die Lebensmittel länger genießbar und der Ausschuss sinkt. Die konservierende Funktion von Kunststoffbehältern zahlt sich auch bei der Lagerung von Saatgut und Futtermittel aus. Besonders stark ist der Effekt bei der Kunststoffverpackung: Sie schützt die Produkte, erleichtert den Transport, verlängert die Haltbarkeit und verringert auf diese Weise Food-Waste im großen Stil. Schließlich muss jedes weggeworfene Lebensmittel von Grund auf neu erzeugt werden – mit CO2-Verbrauch vom Feld bis auf den Teller.

Schadstoffe und Kreislaufwirtschaft

Kunststoffe machen Lebensmittel leistbar, reduzieren den ökologischen Fußabdruck und schonen wertvolle Ressourcen. Durch den achtlosen und falschen Einsatz bringen sie aber auch Probleme – und die sind mitunter massiv. Kunststoffabfälle verunreinigen Böden, Wälder und Gewässer. Sie belasten teilweise mit gesundheitsschädlichen Stoffen und können in die Nahrungskette gelangen. Die Lösungen liegen vielfach schon bereit: Heute gibt es bessere und gut recyclingfähige Materialien. Gleichzeitig muss die Kreislaufwirtschaft vorangetrieben werden. Gebrauchte Kunststoffe sollten gesammelt und wiederverwertet werden. Was dennoch in der Natur verbleibt, muss sich vollständig biologisch abbauen.

Perspektivenwechsel: Externe Expertise

Christian Zafiu, Experte für Landwirtschaft, Boku Wien,

Ass. Prof. Christian Zafiu vom Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft an der BOKU Wien über Kunststoff in der Landwirtschaft. (Foto: BOKU Wien)

Wo sind Kunststofflösungen für die moderne Landwirtschaft derzeit unersetzbar?

Alles ist ersetzbar – es ist nur eine Frage der Kosten und der Effizienz. In der modernen und intensiven Landwirtschaft sind Kunststoffe unersetzbar. Der Klimawandel bringt heißere und trockenere Sommerperioden. Für den Anbau vieler Pflanzen sind Mulchfolien aus Kunststoff unabdingbar. Bei der Silage würden alternative Verfahren einen logistischen Mehraufwand verlangen. Auch im Verpackungsbereich sind Kunststoffe sehr sinnvoll. Viele Produkte werden teilweise im Freien gelagert, damit keine teuren Lagerhallen errichtet werden müssen. Kunststoffverpackungen schützen vor Wind, Wetter und Feuchtigkeit. Kunststoffe sind per se kein Problem. Es ist vielmehr der unachtsame Umgang damit.

Welche Eigenschaften machen Kunststoffe für den Anbau, die Ernte und Logistik von Lebensmitteln zur bevorzugten Wahl?

Sie verfügen über eine sehr gute Feuchtigkeits- und Gasbarriere. So sind schwarze Kunststoff-Folien mit UV-Schutz besonders effizient darin, die Verdunstung aufzuhalten. Kunststoffe sind zudem sehr günstig, leicht und flexibel. Sie sind also einfach zu verwenden. Wenn sie nicht beschädigt sind, können sie sehr oft wiederverwendet werden. Wir nutzen Kunststoffe ja, weil es ein toller Werkstoff ist. Die lange Lebensdauer des Materials ist oft ein Vorteil, kann sich aber auch schädlich auswirken. Vor allem dann, wenn der Kunststoff nicht wieder eingesammelt wird.

Kunststoffe verunreinigen und belasten die Umwelt. Wie kann das verhindert werden? 

Wir beschäftigen uns intensiv mit Mikrokunststoffen. Wir werden sie nicht loswerden. Sie verbleiben im Boden oder migrieren ins Grundwasser. Mikrokunststoffe sind aber nicht alle gleich gefährlich für den Menschen. Problematisch sind häufig Additive wie Weichmacher und Farben. Hier greifen die Regulierungen schon, gleichzeitig wird an ökologischeren Chemikalien geforscht. Neben besseren Kunststoffen ohne schädliche Additive sind vor allem biologisch abbaubare Kunststoffe und natürlich das Sammeln und Recycling für einen längeren Wertstoffkreislauf wichtige Ansätze. Bei Belastungen in der Umwelt geht es ums individuelle Verhalten der Konsumenten. Da wirkt der Einwegpfand als zusätzlicher Motivator.

Wo das Material lange mit der Natur in Kontakt ist, kann es Sinn machen, biologisch abbaubaren Kunststoffen zu verwenden. Das ist aber eine Kostenfrage und die Landwirtschaft steht unter enormem Preisdruck. Spielraum gibt es bei Pestiziden. Hier werden oft primäre Mikrokunststoffe als Träger eingesetzt. Das hat gute Gründe: So kann der Pestizideintrag gezielt gesteuert und verringert werden. Bisher wird das Thema in den Verordnungen der EU ausgeklammert. Wenn biologisch abbaubare Kunststoffe als Träger vorgeschrieben würden, wäre das ein wichtiger Schritt.

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