2. Februar 2026

Kunststoff spart Zeit im Haushalt

Was wäre, wenn wir im Haushalt vollständig auf Kunststoff verzichten müssten? Teil 7 unserer Serie „Eine Welt ohne Kunststoff“ widmet sich den eigenen vier Wänden.

Man in the kitchen with different plastic elements

In aller Früh reißt der Glockenwecker aus dem Schlaf. Vorsicht beim Griff zum Lichtschalter: Stoffummantelte Kabel und Keramikisolatoren bergen ein Restrisiko – Zündholz und Kerze ebenso. Mit der Bambuszahnbürste geht es weiter. Ab in die Dusche und Achtung beim Hantieren mit der Seife. Bei der Rasur mit dem Metallhobel ist Konzentration gefragt. Creme und Co. sind in der Dose aus Keramik oder Glas aufgehoben. Unachtsamkeiten werden mit Scherben bestraft. Für den morgendlichen Kaffee müssen die Bohnen erst zerrieben werden. Das Pulver landet in der French Press oder im Espressokocher. Solls ein Tee sein, muss das Wasser im Topf gekocht werden. Die Jause wird in der Metallbüchse verstaut oder ins Wachstuch eingewickelt. Nach dem Frühstück geht’s ans Abwaschen.

Komfort von früh bis spät

Klingt etwas mühsam und zeitraubend? So ist das Leben ohne Kunststoffe im Haus. Sicher können wir in manchen Fällen die kunststofffreie Lösung wählen. Vor allem in Bad und Küche. Manche schwören auf Seife und Espresso. Müssen Essensreste nur im Kühlschrank übernachten, tuts das schwere Glasgefäß mit Gummiring aus Kautschuk auch. Obwohl, ohne Kunststoff auch kein Kühlschrank. Wo elektrische Geräte ins Spiel kommen, sind Kunststoffe mit von der Partie. Sie schützen, isolieren und machen Produkte leicht und handlich. Dazu kommt der Hygienefaktor: Oberflächen aus Kunststoff können gut und schnell gereinigt werden. So ermöglichen sie all das, was uns den Alltag leichter macht. Berufstätige Menschen wären ohne den Komfort elektrischer Haushaltsgeräte ganz schön arm dran. Da bliebe von 5 bis 9 nicht mehr viel Zeit für Sozialkontakte.

Bequem, leicht und leistbar

Wer sich vor Wind und Wetter schützen will, greift auf Kleidungsstücke mit Kunststofffasern zurück. Polyester, Elastan und Nylon sind robust, leicht, bequem, atmungsaktiv und wasserdicht. Sie bringen Farbe ins Leben und das zu einem leistbaren Preis. Wir bewegen uns auch auf Kunststoffbasis. Bei den Schuhsohlen sind sich alle einig: Laufschuhe, Sneaker, High Heels, Winterstiefel oder Sandalen nutzen vor allem synthetischen Gummi und federn den Gang mit weiteren Kunststoffschichten ab. Schaumstoffe finden sich auch im Sofa und als Füllung bei anderen Polstermöbeln. Schmutzabweisende und strapazierbare Bezüge und Teppiche aus Kunststoff eignen sich für Balkon und Garten.

Kunststoff in der Mode hat auch Schattenseiten. Stichwort: Fast Fashion. Die günstigen Produktionskosten führen zu Billigware – und die wird oft genauso wahrgenommen und genutzt. Viel zu viele Kleidungstücke landen nach kurzen Lebenszyklen auf dem Müll. Das muss nicht sein. Lösungen für das Problem liegen auf der Hand: Mehr Bewusstsein beim Konsum und Kreislaufwirtschaft. Dazu müssen gebrauchte Textilien aus Kunststoff gesammelt und recycelt werden. Die Textilindustrie forscht bereits intensiv an besser recyclingfähigen Mikrofasern und entwickelt Wiederaufbereitungsverfahren. 

Entertainment und Homeoffice

Filme, Serien und Computerspiele unterhalten uns zuhause. Streaming-Dienste machen das Angebot auf Smartphone, Tablet und TV jederzeit verfügbar. Fernsehen gibt es auch noch. WLAN-Würfel, DVBT-Box, Kabel und Antenne sichern den Empfang. Hardware-Produkte bauen auf Kunststoffkomponenten auf. Sie stecken in der Leiterplatte und formen Bildschirm und Gehäuse. Ohne Kunststoff keine Elektronik – und schon gar kein Homeoffice.

Das Smart Home vernetzt Haushaltsgeräte und technische Anlagen wie Heizung, Lüftung, Kühlung, Licht, Waschmaschine, Jalousie, Staubsauger, Sound- und Sicherheitssysteme. Über eine intelligente Steuerung soll sich das Zuhause automatisch an die Bedürfnisse der BewohnerInnen anpassen und Energie sparen. Was vor einigen Jahren noch nach Science Fiction klang, ist heute dank IoT (Internet of Things) in vielen Gebäuden Realität. Der smarte Haushalt der Zukunft ist dank der Vielfalt von Kunststoff technisch auf dem neuesten Stand. 

Perspektivenwechsel: Externe Expertise

Sascha Skorupka

Physiker Prof. Dr. Sascha Skorupka vom Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Fulda über Kunststoff im Haushalt. (Foto: René Spanka)

Kunststoffe sind im Haushalt allgegenwärtig. Welche Rolle spielen sie?

Kunststoffe tragen in einem großen Umfang zu einem bequemen und selbstbestimmten Leben bei, weil sie auf der einen Seite sehr preiswert sind und in großen Mengen zur Verfügung stehen und auf der anderen Seite eine große Vielfalt an zum Teil einzigartigen Materialeigenschaften bieten. Diese Kombination hat dazu geführt, dass klassische Materialien wie Holz, Glas oder Metall als Werkstoffe teilweise ersetzt worden sind oder sogar völlig neue Produkte entwickelt werden konnten. Mit der großen Verbreitung von Kunststoffen rückt aber auch ihr Image als Wegwerfartikel und die dadurch einhergehende Umweltbelastung immer mehr in den Fokus. Der Umstand, dass Kunststoffe überwiegend aus Erdöl hergestellt werden, also fossilen Ursprungs sind, schadet ihrem Ruf zusätzlich. Haushaltsgeräte, die überwiegend aus Kunststoffen bestehen, können daher als weniger wertig empfunden werden, als Geräte, bei denen etwa viel Metall eingesetzt wird.

Die Wohnsituation der Menschen hat sich stark verändert. Verbringen sie heute mehr Zeit im Haushalt?

Das ist schwer zu sagen, da es unter anderem sehr stark vom sozioökonomischen Status der Menschen abhängt, also z. B. ihrem Einkommen und dem Bildungsstand. Nehmen wir das Thema Essen: Während der Pandemie wurde viel mehr zuhause gekocht und Lieferdienste hatten Hochkonjunktur. Wie sich die Hausarbeit künftig entwickeln wird, hängt von vielen Faktoren ab, ganz massiv vom demographischen Wandel. Sicher ist, dass für ein selbstbestimmtes Leben im Alter im eigenen Zuhause die Fähigkeit, sich selbst versorgen zu können, wesentliche Grundvoraussetzung ist. Hier kann der Einsatz von Smart Home und vielleicht auch irgendwann Roboter eine große Unterstützung sein und dazu beitragen, dass alte Menschen möglichst lange im eigenen Haushalt leben können. Die dafür notwendigen modernen Technologien sind ohne den Einsatz von Kunststoffen nicht denkbar. Sicher werden auch Services wie „Essen auf Rädern“ wichtiger, wo Kunststoffe bei der Verpackung und dem Transport der Menüs eingesetzt werden. Eine große Herausforderung ist hier unter anderem, den Einsatz nachhaltig zu gestalten und möglichst wenig Abfall zu erzeugen.

Nachhaltigkeit ist auch im Haushalt ein großes Thema. Wo kann man ansetzen, um den ökologischen Fußabdruck zu senken?

Über 40 Prozent unserer Treibhausgas-Emissionen lassen sich auf Privathaushalte zurückführen. Da besteht enormes Potenzial, wir können alle etwas tun. Ein nachhaltiger Lebensstil ist aber eine sehr individuelle Sache: Die einen duschen gerne länger und verzichten dafür auf Fleisch. Andere mögen auf die Fahrt ins Grüne mit dem Oldtimer nicht verzichten, fliegen dafür aber nicht in ferne Länder. Wenn wir alle für uns persönlich schauen, wo wir mit kleinem Aufwand und geringer Komforteinbuße etwas nachhaltiger handeln können und das auch konsequent umsetzen, ist viel gewonnen. Ohne, dass dafür unsere Lebensqualität massiv einbrechen muss. Verbraucherzentralen sind hier eine gute Anlaufstelle, um sich seriös zu informieren, im Internet findet sich leider sehr viel Unsinn.

Kunststoffe werden weiterhin eine wichtige Rolle spielen, in vielen Bereichen sind sie nicht mehr wegzudenken. Ein Verzicht auf Kunststoffe bedeutet auch nicht automatisch Nachhaltigkeit. Es kommt immer darauf an, wie sie eingesetzt werden und was mit ihnen nach der Nutzung passiert, Stichwort Recycling. Z. B. ist das wesentliche Problem bei Einkaufstüten aus Kunststoff nicht das Material. Das Problem ist, dass diese Tüten in der Regel nach einmaliger Benutzung weggeworfen werden.

Gefallen Ihnen unsere Texte? Vielleicht sogar so gut, dass Sie sie in Ihren Medien auch verwenden wollen? Dann kontaktieren Sie uns bitte vorher!

press@alpla.com