11. Januar 2022

Von der Schweineblase über Glas zum Verbundkarton - wie sich Verpackungen entwickelten

Geschichte der Verpackungen - Teil Eins

In unserer neuen Serie geben wir Einblicke in 25.000 Jahre Verpackungsgeschichte. Im ersten Teil von Blatt und Schweineblase über Amphore, Holzfass zu Glass und Karton, sowie der Kombination von Papier und Kunststoff. 
 

Kalabassen auf einem Markt im Oyo Staat, Nigeria.

Verpackungen begleiten die Menschheit schon lange – seit es galt, Lebensmittel zu lagern und haltbar und transportierbar zu machen. Also eigentlich schon seit prähistorischen Zeiten. Schließlich musste die Nahrung auch in Dürreperioden reichen. Die frühen Menschen bewiesen Erfindungsreichtum. Sie schufen Vorratskammern in Höhlen, gruben Löcher und machten sich aus den Überbleibseln der erlegten Beute Aufbewahrungsmöglichkeiten – Blasen, Bälge und Leder waren die Materialien der Wahl. Die hielten sich erstaunlich lange – noch im Mittelalter machten lederne Trinkschläuche die Runde. Doch genauso gut wie tierische Überreste eigneten sich biologische Stoffe wie Pflanzenblätter oder ausgehöhlte Flaschenkürbisse, die sogenannten Kalebassen. Die Natur wusste schließlich bestens über Schutz und Haltbarkeit Bescheid: Ei, Nuss, Kastanie, Banane oder schlichte Baumrinde sind quasi perfekte Verpackungslösungen.

Neue Werkstoffe und Ideen: Keramik und Holz

Als die Menschen sesshaft wurden und die ersten Siedlungen entstanden, wuchs der Bedarf an Aufbewahrungsorten. Aus den Werkstoffen für Werkzeuge, Waffen, Kleider und Häuser wurden nach und nach auch Gefäße hergestellt. Aus Lehm und Ton entstanden Töpfe, deren Scherben noch heute der Klassiker jeder archäologischen Ausgrabung sind. Rund 20.000 Jahre zählen die ältesten bisher gefundenen. So richtig erfolgreich wurde Keramik jedoch erst mit der Sesshaftwerdung vor etwa 10.000 Jahren. Das berühmteste Beispiel aus der Antike ist natürlich die Amphore ein Einwegprodukt wohlgemerkt. Verschlossen wurden die Tongefäße mit einem Pfropfen aus Kork. Die Rinde der Korkeichen wird noch heute im Mittelmeerraum aufwendig geerntet. Andere pflanzliche Stoffe wie Zweige, Bambus oder Schilf eigneten sich gut für Körbe, andere wie Flachs, Leinen und Jute für leichte Beutel. Und das ist heute noch gebräuchlich.

Ab dem zweiten Jahrtausend vor unserer Zeit wurden erste Fässer, Eimer und Bottiche aus Holz geschnitzt. Bis sie die charakteristische Form mit den aneinandergefügten Dauben (längliche Holzlatten) erhielten, verging noch etwas Zeit. Die Kelten sollen das Handwerk des Fassbindens (auch Küferei) einige hundert Jahre vor Christus erstmals angewandt haben. Gelagert und transportiert wurden damit Wein, Bier, Essig, in Salz eingelegte Fische, aber auch Salz und Getreide. Zum Befestigen der Dauben war Metall nötig. Das gab es zwar schon seit der Bronzezeit, doch erst mit dem Eisen wurde der Einsatz auch für alltägliche Zwecke rentabel.

Zehnarmige Flaschenblasmaschine von Michal Joseph Owens (circa 1913)

Glas: vom Luxusgut zum Standardmaterial

Wer Glas besaß, hatte Geld. Das durchscheinende Material war bis ins 19. Jahrhundert gleichbedeutend mit Reichtum. Mehr als 3500 Jahre ist die Kunst alt. Die frühesten Zeugnisse der Glasherstellung reichen bis ins Altertum zurück. Mesopotamien oder das alte Ägypten werden oft als Ursprung genannt. Bis Glas vom absoluten Luxusgut zur Allerweltsware werden sollte, verging jedoch viel Zeit. Erst die Industrialisierung ermöglichte mit maschinellen Herstellungsverfahren die kostengünstige Massenproduktion von Glasbehältern. In Verbindung mit den 1892 von William Painter patentierten Kronkorken und der Erfindung der vollautomatischen Flaschenblasmaschine 1903 durch Michael Joseph Owens entwickelte sich die Glasflasche zu einer der weitverbreitetsten Verpackungen der Welt.

Erik Wallenberg, der Erfinder der ersten Tetra Pak Verpackung.

Leicht und praktisch: Papier und Karton

Während es in Europa lange Jahre keine Alternative zu Ton, Holz, Flachs, Jute und Co. gab, wurde in China bereits vor etwa 2000 Jahren aus aufgeweichten Pflanzenfasern Papier hergestellt. Das diente nicht nur als Schreibunterlage, sondern bald als Verpackung. Bis die Erfindung über den Mittleren Osten nach Europa kam, dauerte es lange. Hier wurde Papier im 14. Jahrhundert erstmals als Lebensmittelverpackung verwendet. Die heute bekannten Papiertüten gibt es seit 1879. Da erfand die US-Amerikanerin Margaret Knight die erste Maschine für die Herstellung. Etwas später folgten weitere Entwicklungsstufen wie Wellpappe und Karton. Eine weltberühmte Kombination von Papier und Kunststoff, der Getränkeverbundkarton, kam als Tetra Pak am 18. Mai 1951 auf den Markt. Das Verbundmaterial verhalf den Schweden Ruben Rausing und Erik Wallenberg zu Weltruhm. Die verschiedenen Zellstoff- und Verbundprodukte sind heute nicht mehr wegzudenken und werden in vielen Bereichen eingesetzt.

Erfindung des luftdichten Verschlusses

Ein allgemeiner Wendepunkt der Verpackungsgeschichte ist die Erfindung der industriellen Konservierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Und das kam so: Noch vor dem Höhepunkt seiner Macht rief Napoleon Bonaparte 1795 einen Wettbewerb für die Konservierung von Lebensmitteln aus. Denn es galt, noch viele Kriege zu führen. Doch nicht die Schlacht, Hunger und Kälte waren die häufigsten Todesursachen der Soldaten. Für die Verpflegung seines enormen Heeres brauchte Napoleon vor allem eines: haltbare und transportfähige Lebensmittel. Dem Erfinder winkte eine enorme Prämie.

Noch im selben Jahr erfand der 26-jährige Pariser Konditor Nicolas Appert eine bahnbrechende Methode – oder wie er es bezeichnete: „Die Kunst, alle animalischen und vegetabilischen Substanzen […] in voller Frische, Schmackhaftigkeit und eigenthümlicher Würze mehrere Jahre zu erhalten.“[1] Dabei füllte er die Lebensmittel in Gläser, erhitzte diese und verschloss sie anschließend luftdicht – das Einmachen war geboren. Sein Preisgeld erhielt er allerdings erst 1810. Da war in England schon die nächste Verpackungsrevolution im Gange. Denn die schweren und zerbrechlichen Glasflaschen, die Appert einsetzte, waren für unterwegs alles andere als praktisch.

Wie die Konservendose erfunden wurde und wann der Siegeszug der Kunststoffe begann, erfahren Sie im zweiten Teil. Demnächst im ALPLA Blog.

 

 

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