28. Mai 2019

Additive, Weichmacher und andere Mythen

In der öffentlichen Diskussion werden Kunststoffverpackungen oft mit gesundheitsschädlichen Weichmachern in Verbindung gebracht. Im Internet sind zahlreiche Warnungen zu finden: Man soll Getränkeflaschen aus Kunststoff im Sommer nicht im Auto lassen, weil sich beim Erwärmen giftige Stoffe lösen und in die Flüssigkeit gelangen. Und angeblich enthalten Babyflaschen das hochgiftige Bisphenol A (BPA) und dürfen daher auf keinen Fall verwendet werden.

Stimmt das? Welche Stoffe sind tatsächlich in welchen Kunststoffprodukten enthalten? Und wie schädlich sind sie?

Kunststoffe bei ALPLA

Grundsätzlich ist zu sagen, dass ALPLA für die Herstellung von Verpackungslösungen keine gesundheitsschädlichen Additive verwendet oder hinzufügt. Am häufigsten setzt ALPLA den Kunststoff PET (Polyethylenterephthalat) ein. PET ist transparent und eignet sich gut für die Verpackung von Lebensmitteln und Flüssigkeiten. Für die Herstellung von Verpackungen aus PET werden keine schädlichen Zusatzstoffe benötigt – erst recht keine Weichmacher.

Es tauchen jedoch immer wieder Vorwürfe auf, dass in PET-Verpackungen Acetaldehyd enthalten ist und in schädlichen Mengen an Lebensmittel abgegeben wird. Das stimmt so nicht. Acetaldehyd ist ein natürlicher Stoff, der als Zwischenprodukt in vielen biologischen Prozessen entsteht. So kommt Acetaldehyd in Lebensmitteln wie z. B. Obst, Fisch oder Käse vor und trägt zum Teil wesentlich zum fruchtig-aromatischen Geschmack bei. Es ist auch ein Nebenprodukt beim Abbau von Alkohol im menschlichen Körper. Hohe Dosen sind schädlich für die Organe – doch das trifft für viele Stoffe des täglichen Gebrauchs wie Salz und Pfeffer zu. Die Menge von Acetaldehyd, die PET-Flaschen abgeben, ist weit unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert von 6 mg/l. Viele Getränke haben aus ihrem Entstehungsprozess heraus eine weitaus höhere Acetaldehyd-Konzentration: Fruchtsaft von 0,3 bis 50 mg/l, Wein von 7 bis 142 mg/l. Lediglich bei Wasser ist eine Acetaldehyd-Abgabe durch PET-Flaschen nachweisbar – aufgrund der niedrigen Konzentration ist sie aber absolut unbedenklich.

Neben PET kommen bei uns aufgrund von Material- und Prozesseigenschaften häufig zwei weitere Kunststoffe zum Einsatz: Polyethylen hoher Dichte (HDPE bzw. PE-HD) und Polypropylen (PP). Beide Kunststoffarten benötigen keine Zusätze von Weichmachern.

    Gefahr durch Kunststoff – früher und heute

    Doch wie ist das Gerücht „Kunststoffverpackungen sind schädlich“ entstanden? Vor Jahrzehnten wurden viele Verpackungen aus Polycarbonat (PC) und Polyvinylchlorid (PVC) hergestellt. Es war nicht bekannt, dass aus diesen Materialien gesundheitsschädliche Stoffe in den Verpackungsinhalt übergehen können.

    Für die Herstellung von klassischem PC wird BPA benötigt – ein synthetischer Stoff mit hormonähnlicher Wirkung. Aus diesem Kunststoff wurden in der Vergangenheit Trinkflaschen für Säuglinge hergestellt. In der Europäischen Union (EU) sind aber bereits seit 2011 die Produktion und der Verkauf von BPA-haltigen Säuglingsflaschen verboten – Alternativen sind PP oder BPA-freies PC.

    Aber BPA ist noch nicht komplett aus unserem Leben verschwunden: Eine BPA-Quelle, die in unserem Alltag sehr präsent ist, ist Thermopapier für Kassenbons. Aber hier hat die EU bereits reagiert. Thermopapier mit einem BPA-Gehalt von 0,02 Gewichtsprozent oder höher ist ab Januar 2020 verboten. Auch Epoxid kann BPA an die Umgebung abgeben. Es wird unter anderem als Rostschutz auf der Innenseite von Metalldosen genutzt – auch bei Konservendosen. Es gibt zugelassene Alternativen, jedoch ist aktuell noch unklar, ob diese gesundheitlich verträglicher sind.

    Früher wie heute enthält PVC nur dann Weichmacher, wenn das Endprodukt weich und flexibel sein soll. Phthalate wie DEHP sind besonders geeignete Weichmacher für PVC. Da sie aber zum Teil den menschlichen Hormonhaushalt beeinflussen, hat die EU viele Phthalate nicht nur aus Lebensmittelverpackungen, sondern auch aus Kinderspielzeug und Kosmetika weitestgehend verbannt.

    Schutz durch den Gesetzgeber

    Die europäische Kommission und zahlreiche Institute haben sich im vergangenen Jahrzehnt intensiv mit den Auswirkungen von Kunststoffen auf die Gesundheit beschäftigt. Die daraus hervorgehenden Gesetze regeln die erlaubten chemischen Eigenschaften und die Bestandteile von Verpackungsmaterialien für Lebensmittel streng. Daher sind die Konsumenten in der EU vor BPA und anderen schädlichen Stoffen in Kunststoffverpackungen für Lebensmittel und vielen anderen Kunststoffprodukten geschützt – solange diese Gesetze auch vom Importeur beachtet werden.

    Der Diskussion rund um Weichmacher und Additive liegen oft veraltete oder inkorrekte Informationen zugrunde. Wir empfehlen folgende Websites als seriöse Informationsquellen:

    Autorenprofil

    Melanie Isele, PR & Corporate Communications Specialist

    Melanie arbeitet seit Januar 2019 als PR & Communications Specialist für ALPLA. Sie kümmert sich hauptsächlich um die Social-Media-Präsenz von ALPLA und erstellt neuen Content für verschiedene Kanäle. Sie hat einen Masterabschluss in Molekularbiologie und lebte bereits in Spanien, der Schweiz und Südafrika. Seit 2015 arbeitet Melanie im Bereich Marketing und Kommunikation großer Unternehmen. Parallel zu ihrer Anstellung bei ALPLA studiert sie International Marketing & Sales an der FH Vorarlberg.