„Zero heißt für uns wirklich Null“
Seit rund zwei Jahren wird Zero Pellet Loss (ZPL) bei ALPLA global strukturiert umgesetzt. Warum das Thema weit mehr ist als eine Checkliste, welche Rolle Europa spielt und wo ALPLA in fünf Jahren stehen will, erklären Stephan Hadamek (Head of Corporate Logistics) und Francisco Fallas (Corporate Logistic Manager) im Interview.
Stephan Hadamek (Head of Corporate Logistics) und Francisco Fallas (Corporate Logistic Manager) sind für die globale Umsetzung von Zero Pellet Loss bei ALPLA zuständig.
Was genau versteht ALPLA unter dem Zero Pellet Loss Programm – und welches strategische Ziel verfolgt das Unternehmen damit?
Francisco Fallas: Zero Pellet Loss bedeutet für ALPLA ganz klar: Kunststoffgranulat und andere Kunststoffpartikel dürfen die Werke nicht in Richtung Umwelt verlassen. Es geht um den weltweiten Schutz von Böden und Gewässern. Wenn doch einmal etwas austritt, muss es sofort kontrolliert aufgenommen werden. Unser Anspruch ist eindeutig: Zero heißt Null.
Stephan Hadamek: Gleichzeitig ist das Thema für ALPLA nicht neu. Einzelne Werke – etwa Fußach, Österreich – haben sich schon vor vielen Jahren intensiv damit beschäftigt, viel Vorarbeit geleistet und wichtige Grundlagen geschaffen. Vor rund zwei Jahren wurden diese Erfahrungen gebündelt und das Thema in einen strukturierten, globalen Rollout überführt – mit klarer Methodik, einheitlichen Standards und konkreten Empfehlungen für alle Werke. Heute ist Zero Pellet Loss kein Einzelengagement mehr, sondern ein weltweit verankerter Anspruch.
ALPLA arbeitet mit einem ZPL-Assessment-Tool. Warum wurde es eingeführt?
Francisco Fallas: Das Tool wurde im Februar 2025 weltweit kommuniziert. Danach wurden Trainings für die verantwortlichen Personen in den Werken durchgeführt und der Zugang zum Tool freigeschaltet. Das Assessment besteht aus zehn konkreten Fragen. Ein Werk kann es nur abschließen, wenn alle Fragen mit „Ja“ beantwortet sind. Damit stellen wir sicher, dass die wesentlichen Anforderungen umgesetzt wurden.
Es geht dabei nicht nur um ein Häkchen. In bestimmten Punkten müssen Werke Unterlagen hochladen – etwa ein Layout, auf dem mögliche Hotspots wie Abflüsse oder Übergabestellen markiert sind. So wird das Thema konkret und standortspezifisch betrachtet.
Wie weit ist der globale Rollout bei ALPLA fortgeschritten?
Francisco Fallas: Insgesamt sind derzeit rund 160 bis 170 Werke im Scope. Über 100 haben das Assessment bereits finalisiert, etwa 35 befinden sich im Prozess, und rund 25 bis 30 haben noch nicht gestartet. Nicht dabei sind Werke, die selbst kein Granulat verarbeiten oder auch Joint Ventures.
Stephan Hadamek: In Europa bekommt das Thema durch Regulatorien zusätzlich Relevanz, da Pelletverluste künftig gemeldet werden müssen. Für das Jahr 2025 sind erstmals Schätzungen erforderlich, die bis Ende Mai 2026 abgegeben werden müssen.
Wie häufig finden Kontrollen statt? Besteht die Gefahr, dass das Tool zur „Check-the-box“-Übung wird?
Stephan Hadamek: Aktuell erfolgen Kontrollen vor allem stichprobenartig, wenn jemand von unserem Team vor Ort ist. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Werke das Thema ernst nehmen. Wenn ein Werk „Ja“ sagt, ist in der Regel auch etwas umgesetzt. In Europa wird derzeit zudem diskutiert, ob künftig externe Audits eingeführt werden – im Gespräch ist eine Prüfung alle drei Jahre. In der nächsten Phase legen wir den Fokus noch stärker auf die Qualität der Inhalte. Es geht nicht nur um das Abhaken, sondern um belastbare und wirksame Maßnahmen.
Wo liegen die größten Herausforderungen?
Francisco Fallas: Technisch geht es um Infrastruktur: Auffangsysteme, Filter und sichere Übergabestellen. Aber genauso wichtig ist das Mindset. Zero Pellet Loss kommt zusätzlich zum Tagesgeschäft. Das erfordert ein gutes Change-Management. Ein entscheidender Faktor ist die klare Zuständigkeit. Deshalb haben wir einen Mechanismus eingeführt: Verantwortliche müssen regelmäßig bestätigen, dass sie noch zuständig sind. So stellen wir sicher, dass jedes Werk einen klaren Ansprechpartner hat.
Gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Divisionen bei ALPLA?
Stephan Hadamek: Ja, besonders im Recycling ist Zero Pellet Loss deutlich anspruchsvoller. Große Außenflächen, Ballenlagerung und mechanische Prozesse führen zu mehr potenziellen Verlustquellen. Im klassischen Packaging-Bereich sind Risiken oft lokal fokussiert und daher leichter zu beheben.
Welche nächsten Schritte sind geplant?
Francisco Fallas: Die zehn Fragen bleiben. Wir verbessern aber die Struktur und die Auswertung und geben den Regionen selbst mehr Verantwortung. Außerdem veröffentlichen wir einen Best-Practice-Katalog und klären die weiteren EU-Anforderungen, wie Reporting, mögliche externe Audits und deren Umsetzung. Das wird ein wichtiges Thema für die kommenden Jahre.
Zum Abschluss: Wenn wir fünf Jahre in die Zukunft blicken, wo sollte ALPLA mit Zero Pellet Los stehen?
Stephan Hadamek: Unser Ziel ist klar: kein Austritt mehr – Zero im wortwörtlichen Sinn.
Francisco Fallas: Langfristig möchten wir sogar dahin kommen, dass wir Materialverluste grundsätzlich vermeiden, diese also gar nicht erst verursacht werden.
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