18. September 2026

Recyclingfähigkeit reicht nicht: Der Weg zum echten Kreislauf

Im dritten und letzten Teil unserer Serie „Verpackungen im Faktencheck: Material, Wirkung, Kreislauf“ richten wir den Blick auf das Ende der Nutzung – und damit auf den Beginn eines neuen Materialkreislaufs. Denn erst wenn Verpackungen gesammelt, sortiert, aufbereitet und erneut eingesetzt werden, wird aus theoretischer Recyclingfähigkeit ein funktionierender Kreislauf.

Hände, die über einem Haufen recycelter Kunststoffflocken ein Dreieck bilden.

Vom Recycling zum Kreislauf

Eine Verpackung kann technisch gut recycelbar sein und trotzdem nie wieder zu einer neuen Verpackung werden. Zwischen theoretischer Recyclingfähigkeit und einem funktionierenden Kreislauf liegen mehrere entscheidende Schritte: Sammlung, Sortierung, Aufbereitung und schließlich der erneute Einsatz des gewonnenen Materials.

Alle vier Materialgruppen können dabei von funktionierenden Kreisläufen profitieren. Altglas senkt den Bedarf an Primärrohstoffen und Energie. Bei Aluminium verändert Recycling die Energiebilanz deutlich. Recyclingfasern sind ein wesentlicher Bestandteil der Papierproduktion. Und bei PET und HDPE reduziert hochwertiges Rezyklat den Bedarf an fossiler Neuware.

Glas: Sammlung ist noch nicht Recycling

Altglas kann einen Teil der ursprünglichen Rohstoffe ersetzen. Glasscherben benötigen beim erneuten Einschmelzen weniger Energie als die ursprüngliche Rohstoffmischung. Je höher der Anteil an hochwertigem Altglas, desto geringer können Rohstoffbedarf, Energieeinsatz und direkte CO₂-Emissionen ausfallen. 

Europa verfügt über gut etablierte Sammelsysteme. 2023 wurden in der EU 80,8 Prozent der Glasverpackungen für das Recycling gesammelt. Die von Eurostat ausgewiesene Recyclingrate lag für dasselbe Jahr bei 74,9 Prozent.

Die Differenz macht einen wichtigen Unterschied sichtbar: Eine hohe Sammlung ist Voraussetzung für Recycling, aber nicht gleichbedeutend mit der Menge, die anschließend tatsächlich recycelt wird.

Aluminium: großer Hebel durch Recycling

Besonders deutlich zeigt sich der Effekt von Recycling bei Aluminium. Das Einschmelzen von Aluminiumschrott benötigt bis zu 95 Prozent weniger Energie als die Herstellung von Primäraluminium. Ein hoher Rezyklatanteil kann die Umweltwirkung deshalb deutlich reduzieren. 

Die Recyclingrate europäischer Aluminiumgetränkedosen erreichte 2023 einen Wert von 76,3 Prozent. Diese Zahl bezieht sich allerdings auf Getränkedosen in der EU sowie im Vereinigten Königreich, in der Schweiz, Norwegen und Island – nicht auf sämtliche Aluminiumverpackungen.

Papier: Recyclingfasern brauchen Ergänzung

Papierfasern können mehrfach recycelt werden. Dabei verlieren sie jedoch nach und nach an Länge und Qualität. Frische Fasern bleiben deshalb notwendig, um den Papierkreislauf dauerhaft funktionsfähig zu halten.

2024 wurden in Europa 75,1 Prozent des verbrauchten Papiers und der Pappe recycelt. Der Wert umfasst allerdings grafische Papiere, Verpackungen und Hygienepapiere und ist deshalb nicht direkt mit materialspezifischen Verpackungsquoten vergleichbar.

PET und HDPE: Rezyklate ersetzen Primärmaterial

Bei PET und HDPE liegt ein zentraler Hebel darin, fossile Neuware durch hochwertiges Recyclingmaterial zu ersetzen. Mechanisch recyceltes PET und HDPE kann erneut für Verpackungen eingesetzt werden, sofern Sammlung, Sortierung, Reinigung und Produktdesign zusammenspielen. Für beide Kunststoffarten sind mechanische Recyclingverfahren bereits breit etabliert. 

2023 wurden in der EU 42,1 Prozent der Kunststoffverpackungsabfälle recycelt. Dieser Wert umfasst alle Kunststoffverpackungen und ist deshalb keine spezifische Quote für PET oder HDPE.

PET-Getränkeflaschen schneiden in der Sammlung häufig deutlich besser ab. Durch getrennte Sammelsysteme und insbesondere Pfandsysteme erreichen sie in vielen Ländern Rücklaufquoten von über 95 Prozent. Gleichzeitig besteht bei Sammlung, Sortierung und hochwertiger Wiederverwertung von Kunststoffverpackungen insgesamt weiterhin Entwicklungspotenzial.

Recyclingquoten sind keine Rangliste

Die Zahlen zu den verschiedenen Materialien dürfen deshalb nicht als einfache Rangliste gelesen werden. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Bezugsjahr, geografischem Umfang, Materialabgrenzung und Berechnungsmethode.

Teilweise beziehen sie sich auf sämtliche Verpackungen eines Materials, teilweise auf einzelne Verpackungstypen und teilweise auf Materialströme, die über Verpackungen hinausgehen. Die Quoten zeigen, wie leistungsfähig bestehende Systeme sind. Sie beantworten jedoch nicht automatisch die Frage, welches Material für eine bestimmte Verpackungsanwendung die beste Wahl ist.

Sammelsysteme erhöhen Rücklaufquote

Damit aus Recyclingfähigkeit ein wirksamer Kreislauf wird, müssen Verpackungen so gestaltet sein, dass sie nach Gebrauch erkannt, sortiert und mit vertretbarem Aufwand aufbereitet werden können. Genau hier setzt Design for Recycling an. Gleichzeitig braucht es Sammelsysteme, geeignete Recyclingkapazitäten und eine verlässliche Nachfrage nach Sekundärrohstoffen. Erst wenn das Material tatsächlich zurückkehrt und erneut eingesetzt wird, entsteht ein wirksamer Kreislauf. 

Gerade bei PET und HDPE zeigt sich, welches Potenzial in diesem Zusammenspiel liegt: Sie sind leicht und materialeffizient, mechanische Recyclingverfahren sind breit etabliert und Rezyklate können fossile Neuware ersetzen. Gut funktionierende Sammelsysteme zeigen zudem, dass sehr hohe Rücklaufquoten möglich sind. 

Damit schließt sich auch der Kreis unserer Serie. Es gibt kein Verpackungsmaterial, das unabhängig von Anwendung und Rahmenbedingungen immer die geringste Umweltwirkung verursacht. Eine fundierte Entscheidung berücksichtigt Materialmenge, Rezyklatanteil, Schutz- und Barrierefunktion, Mehrwegmöglichkeiten, Transportbedingungen und die tatsächliche Kreislaufführung nach Gebrauch. 

Die nachhaltigste Verpackung ist damit nicht automatisch jene mit dem besten Image. Es ist die Lösung, die ihre Aufgabe mit möglichst wenig Ressourcen erfüllt und das eingesetzte Material möglichst lange im Kreislauf hält. Genau hier können leichte, materialeffiziente und gut recyclingfähige Kunststoffverpackungen einen wichtigen Beitrag leisten – vorausgesetzt, Design, Sammlung, Recycling und Rezyklateinsatz greifen ineinander.

Hier geht es zu Teil 1: Warum der Lebenszyklus entscheidet

Hier geht es zu Teil 2: Wo die Umweltwirkung entsteht 

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