Menschen bei ALPLA - Interview mit Heinz Lehner
Bei ALPLA ist Firmengeschichte immer auch Familiengeschichte. Und sie lebt von den Menschen, die sie geprägt haben. Zum Abschluss des 70-Jahre-Jubiläums von ALPLA teilt Heinz Lehner, Bruder der Gründer Alwin und Helmuth Lehner, seine persönlichen Erinnerungen an die ersten Jahre des Unternehmens. Ein Interview voller Erfahrungen, Rückblicke und Einsichten.
Heinz Lehner hat die Anfänge von ALPLA hautnah miterlebt.
Was ist dein Lieblingskunststoffprodukt von ALPLA?
Ganz eindeutig die erste Flasche für das Fensterputzmittel CLU. Ich habe sie selbst mit Wäscheklammer und Messer gefertigt, also Schlauch abgeschnitten und alles von Hand in die Schließmaschine eingebracht. Das war 1958, ich war 17, und diese erste selbstgemachte Flasche habe ich besonders ins Herz geschlossen. Pro Tag wurden ein paar Tausend Stück produziert.
Welche beruflichen Erfahrungen haben dich besonders geprägt?
Vor allem der Umgang mit den Arbeitern und das Hineinfühlen in ihre Bedürfnisse. Besonders eindrucksvoll war, dass wir viele Menschen mit Behinderung beschäftigt haben. Sie liebten die Arbeit bei uns.
Wenn du auf die ALPLA Firmengeschichte zurückblickst, was hat dich am meisten beeindruckt?
Der Glaube an die Zukunft und die Bodenständigkeit. Selbst mit über 100 Fabriken blieb man bodenständig, aber es gab immer den Willen, weiterzukommen – auch in schwierigen Zeiten.
Gab es auch Momente, in denen ihr gezweifelt habt, ob es so weitergehen kann? Was hat euch motiviert?
Ja, Rückschläge gab es, vor allem finanziell, wenn etwa Maschinen bezahlt werden mussten. Aber die Motivation war immer klar: weiter, weiter. Sich durchbeißen und den Glauben nicht verlieren, das war entscheidend.
Welches Prinzip waren dir immer wichtig – im Leben und in der Firma?
Ehrlichkeit. Ehrlich zu sein, hat sich immer bewährt.
Gibt es eine Anekdote, die für dich besonders gut beschreibt, wofür ALPLA steht?
1973, während der Ölkrise, hatten wir plötzlich kein Material mehr. Aufträge und Maschinen standen bereit, aber kein Rohstoff. Am Ende fanden wir einen Weg über Japan. Das war teuer, aber es ging weiter. Wir mussten uns immer anstrengen, doch die Haltung war klar: immer nach vorne blicken, nie aufgeben.
Welchen Moment würdest du gerne noch einmal erleben?
Die 60er Jahre. Ich war jung, es gab Aufschwung, faire Bezahlung und viele Firmengründungen. Wir hatten mehr Aufträge als Kapazität.
Heinz Lehner: “Ein schönes Abenteuer“.
Wie hast du die technischen Veränderungen in der Branche erlebt, etwa den Wechsel von PVC auf PET?
Der Umstieg von PVC auf PET war prägend. PVC roch stark und war schwer zu verarbeiten. Mit PET konnten wir Flaschen für die Getränkeindustrie herstellen. Das war ein echter Aufschwung für die Branche und für uns. Davor arbeiteten wir viel mit Polyethylen, etwa für Putzmittelflaschen wie CLU.
Rückblickend gefragt: Was war das Geheimnis des Erfolgs von ALPLA?
Der Glaube an den Kunststoff und der Zusammenhalt in der Familie.
Deine Brüder Alwin und Helmuth waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Wie hast du sie erlebt?
Helmuth war Optimist. Selbst wenn vieles schiefging, glaubte er an den Erfolg. Alwin war ein unermüdlicher Arbeiter. Wenn etwas technisch nicht funktionierte, tüftelte er bis in die frühen Morgenstunden. Diese Unterschiedlichkeit war eine große Stärke der Firma.
Wenn du dein Leben und ALPLA mit einem Wort beschreiben müsstest – welches wäre das?
Abenteuer. Mit Aufs und Abs, aber ein schönes Abenteuer – und am Ende von Erfolg gekrönt.
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